
Katharina Pantelin öffnet die Tür des Wohnmobils, steigt die zwei Stufen aus dem Fahrzeug hinab. Dort stellt sie vier Holzstühle auf. Die 26-Jährige schafft Ambiente, mitten auf dem Oranienplatz in Berlin-Kreuzberg. Pantelin arbeitet für den Verein Fixpunkt, der sich auf eine Kombination von Straßensozialarbeit und teilstationären Hilfen für Süchtige spezialisiert hat. Seit Oktober versorgt das Drogenkonsum-Mobil die Abhängigen statt wie früher am Kottbusser Tor nun am Oranienplatz mit sauberen Spritzen und Medikamenten. Doch die Stühle bleiben an diesem Tag erst einmal unbesetzt. Die „Kundschaft“ trifft sich nach wie vor am Kottbusser Tor.
Mehr als 18 Jahre lang stand auch der Wagen direkt im Brennpunkt. Dass er umziehen musste, hat Gründe: Anwohnerbeschwerden, der Verkehr, Reibereien in der Drogenszene. Pro Tag wechseln etwa 30 Personen bei Pantelin ihr Spritzbesteck, drei Tage in der Woche von 13 bis 17 Uhr. Ein Arzt versorgt Wunden. Den neuen Standort wählte Fixpunkt mit dem Bezirksamt aus. „Es gab im Moment keinen anderen Platz“, sagt Fixpunkt-Geschäftsführerin Astrid Leicht. Es ist gut, dass die Szene am Kotti rumhängt und hier Ruhe ist“, meint Boris G., der mit seiner drogenabhängigen Freundin gekommen ist. Andere sehen das anders: „Was bringt es, wenn wir erst hierher wandern müssen?“, fragt einer. Wie schwierig es ist, sich als Anlaufstelle für Suchtkranke zu etablieren, das weiß man bei Fixpunkt.
Beim Projekt Spax in Spandau hat es funktioniert: Vor einem Jahr eröffnete der Kontaktladen für Alkoholkranke an der Schönwalder Straße, schon Monate vorher waren die Streetworker in den Problemkiezen Altstadt, Wilhelmstadt und Neustadt unterwegs. Die Klienten selbst halfen bei der Einrichtung der Wärmestube mit angeschlossenen Beratungs- und Beschäftigungsangeboten, Gelegenheit zum Wäsche waschen, Kochen sowie medizinischer Hilfe. Mäßiger Bierkonsum wird toleriert. Das Projekt war umstritten, von einer „Trinkerstube“ war die Rede. Die CDU kritisierte, die fünf Streetworker würden von der Straße abgezogen und zu viel Geld gebunden. Heute sind die Urteile wohlwollender: „Beim Besuch des Kontaktladens war mein Eindruck sehr positiv“, sagt Spandaus CDU-Fraktionschef Arndt Meißner.
Befragungen der Anwohner haben ergeben, dass die Probleme zwar nicht beseitigt wurden, sich die Lage aber gebessert hat. Die Polizei vermeldet weniger Beschwerden. „Natürlich findet man die Alkoholiker weiterhin auf dem Lutherplatz oder im Koeltzepark“, sagt Polizeisprecher Klaus Schubert. Diejenigen, die sich von Spax einbinden ließen, seien aber umgänglicher, fast zuvorkommend, meint Pfarrer Karsten Dierks. Nicht nur rund um die Lutherkirche haben die Alkoholkranken bereits Unrat beseitigt und das Grün gepflegt. Mehrere geringfügig bezahlte Beschäftigungsangebote konnte Spax über fünf Monate hinweg machen. „Die waren immer besetzt“, sagt Projektleiter Uwe Nowotsch. Nun hofft Spax auf Landesmittel, damit es 2012 weitergeht.
In Kreuzberg ist die finanzielle Zukunft des Druckmobils gesichert, ob die Drogenabhängigen den neuen Standort am Oranienplatz aber auch annehmen, bleibt offen. Einen erneuten Umzug des Drogenmobils schließt Gesundheitsstadtrat Knut Mildner-Spindler (Linke) aus: „Am Kotti wollen wir die Mittelinsel umgestalten.“ Ein Kiosk und eine Toilette könnten entstehen, angelehnt an Konzepte für Alkoholiker-Wärmestuben. Dann hätte das Spandauer Projekt sogar Schule gemacht.
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