Thomas Grota, Investment-Manager bei der Deutschen Telekom, erwartet eine Wende in der deutschen Start-up-Szene. Insbesondere für Berliner Gründer gehe es in diesem Jahr um alles oder nichts. "Investoren wissen, dass ein Blutbad bevorsteht. Sie brauchen Gewinner, nicht nur Überlebende", beschreibt Grota in seinem Blog die aktuelle Lage der Startups. Gründer, die zu den Gewinnern zählen wollten, bräuchten viel Geld. Naheliegend, dass dann für die weniger Erfolgreichen auch weniger übrig bleibt.

Es werde nicht weniger sondern mehr Geld in den Start-up-Markt fließen, erwartet Grota, der Vorstandsmitglied unter anderem bei den Start-ups MyTaxi und 6Wunderkinder ist. Investoren würden ihr Risikokapital künftig aber gezielter dosieren, als das bislang der Fall war. Er ist sicher, dass sie stärker auf erfolgversprechende Trends setzen und nicht mehr so breit gestreut investieren wie bisher.

Auch die Investorenlandschaft wird sich nach Grotas Erwartungen durch diese Konzentration von Grund auf verändern. "Mehr und mehr mittelgroßen Risikokapitalgebern wird da Geld ausgehen, um neue Projekte zu finanzieren."

Start-ups müssten sich auf Erwartungen des Marktes einstellen, wenn sie überleben wollen. In den vergangenen Jahren seien wichtige Investments in die Start-up-Szene erfolgt. Nun müssten die Gründer den nächsten Schritt tun und die Versprechen an ihre Geldgeber halten, ermahnt der Investor die Gründer. Der Aufbau eines Start-ups sei ein Marathonlauf , den man nur gewinnen könne, wenn man zwischendurch einen Sprint einlege.

Zu einer ähnlichen Bewertung des Berliner Marktes kommt das Blog "netzwertig.com". Darin schreibt Martin Weigert, der Berliner Szene mangele es an großen Durchbrüchen. Sie brauche in diesem Jahr Erfolgserlebnisse. Weigert interpretiert diesen Missstand damit, dass Berliner Erfinder vor allem Social-Web-Start-ups aufgebaut haben. Diese Projekte haben es besonders schwer, sich am überfüllten Markt zu behaupten und dauerhaft Nutzer an sich zu binden.