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VEREINSWECHSEL
Ramos strahlt - doch der Berater droht
Foto: Bongarts/Getty Images/Getty
Sein Berater wettert gegen Hertha und beteuert, Adrian Ramos sei unmotiviert, weil er aus Berlin weg wolle. Doch Ramos selbst macht einen sehr zufriedenen Eindruch. Dennoch dreht der Berater an der Eskalationsschraube.

Adrian Ramos trug seine Tochter Maria Paula auf dem Arm, links von ihm schlenderte Frau Mariy, auf der rechten Seite Teamkollege Ronny, der seinerseits Tochter Mary-Izabelli trug. Fröhlich schwatzend ging die Südamerika-Fraktion von Hertha BSC vom Trainingsplatz dem Feierabend entgegen.

Im milden Abendlicht über dem Schenkendorff-Platz machten der Kolumbianer Ramos und der Brasilianer Ronny gar nicht den Eindruck, als sei das Trainingsgelände ein Gefangenenlager. Das hatte Helmut Wenin ausgemacht. "Adrian fühlt sich bei Hertha BSC wie ein Gefangener", hatte der Berater von Ramos via "Bild" behauptet. Es sei eine große Ungerechtigkeit, dass der Zweitligist seinen Klienten nicht zu Bundesligist TSG Hoffenheim wechseln lasse.

Wenin, der Wohnsitze in Kolumbien und Miami/Florida unterhält, weilt zwar fernab von Europa, versucht aber seit Tagen Berliner Journalisten gegenüber den Eindruck zu erwecken, als sei klar, dass Ramos bald für Hoffenheim spiele. Weil das aber nicht so klar ist, verschärft sich der Ton des Beraters, je näher das Ende der Transferfrist rückt. Anfang dieser Woche mailte Wenin der Morgenpost: "Adrian will gehen. Hoffenheim hat das Geld und der Spieler will nicht in der Zweiten Liga spielen."

HERTHA FORDERT ZEHN MILLIONEN

Nun ist das Transferfenster nur noch sechs Tage geöffnet, bis kommenden Dienstag um Mitternacht. Und bei Hertha BSC ist der Kader seit längerem zusammengestellt, nur Wenin versucht, mit allen Mitteln noch einen Verkauf zustande zu bringen. Nach seinem Gefangenen-Vergleich legte der Agent gegenüber Morgenpost Online nach. Er fabulierte, dass sein Klient, falls er in Berlin bleiben müsse, keine Leistung zeigen werde. "Die Zeit arbeitet gegen Ramos, aber auch gegen Hertha. Ramos wird ohne Begeisterung spielen und ab dem Punkt, wo er frustriert ist und nicht mehr sein Leistungslevel abruft, werden alle verlieren. Dann wird es zu spät sein für einen motivierten Ramos. Die Saison wird zu Ende gehen und Ramos wird vielleicht nur drei oder vier Tore in der Zweiten Liga geschossen haben." Bedeutet: Der Ramos-Berater droht Hertha. Oder ist da ein Agent, der um jeden Preis einen Deal machen will, damit für ihn eine Provision fließt?

Offensichtlich fällt es Wenin schwer, aus der Ferne die Fakten in Fußball-Deutschland zu betrachten. Ramos hat im vergangenen August einen Vier-Jahres-Vertrag bei Hertha BSC unterschrieben. Will er jetzt wechseln, muss er einen Verein finden, der sich mit seinem Noch-Arbeitgeber in Verbindung setzt, um eine Ablöse auszuhandeln. Wenin ist der Meinung, Hoffenheim habe Hertha "ein ernsthaftes Angebot gemacht".

Das entspricht aber nicht den Tatsachen. Die TSG hat den Berlinern für Ramos zunächst eine Million Euro geboten, später drei Millionen. Hertha-Manager Michael Preetz hat beide Offerten abgelehnt und mitgeteilt: Die Schmerzgrenze für den besten Torschützen der vergangenen Saison liege bei zehn Millionen Euro. Manager Preetz wiederholte am Dienstag seine schon x-fach getätigte Aussage: "Adrian ist bei uns unter Vertrag. Wir planen mit ihm. Uns liegt kein Angebot für ihn vor."

Dabei war auch Hoffenheim hinter den Kulissen mehrfach tätig gewesen. An dieser Stelle darf man sich über das Geschäftsgebaren in Hoffenheim wundern. Der Klub hat im Vorjahr sieben Millionen Euro für Josip Simunic, der damals 31 Jahre war, investiert. Vor zwei Tagen wurden für Mittelfeldspieler Sebastian Rudy vier Millionen ausgegeben. Und für Ramos (24), der in 29 Bundesliga-Spielen zehn Tore erzielt und fünf vorbereitet hat, bietet die TSG erst eine Million - und dann drei?

Dennoch versuchte es nun TSG-Manager Ernst Tanner noch einmal bei seinem Kollegen Preetz. Fragte an, ob man nicht doch über Ramos reden könne. Allerdings müsse Hertha von seiner Zehn-Millionen-Forderung abrücken. Kopfschütteln bei Preetz, das Telefonat war rasch beendet.

ZWEIFELT RAMOS AM AUFSTIEGSZIEL?

Neben Hoffenheim ist auch Berater Wenin weiter aktiv, brachte nun neue Argumente: Es sei unmöglich für Hoffenheim ein neue Summe zu bieten, wenn Hertha alle Gespräche abblocke, mailte er der Morgenpost Online. Er kritisierte die Ablöseforderung von zehn Millionen als viel zu hoch. Sinngemäß schrieb er: Wie kann der Verein so viel Geld fordern, wo Ramos so wenig Gehalt bekomme? Der kolumbianische Nationalspieler erhält bei Hertha dem Vernehmen nach ein Jahres-Salär von 650.000 Euro. Dann drehte Wenin weiter an der Eskalationsschraube: "Adrian ist überhaupt nicht motiviert. Er ist sich nicht sicher, dass Hertha mit der derzeitigen Mannschaft überhaupt aufsteigen kann. Er will weg von Hertha" (im Original: "He wants out of Hertha").

Ramos selbst hat sich bisher nichts zu Schulden kommen lassen. Er hat eine ordentliche Vorbereitung hingelegt, nachdem er Achillessehnen-Probleme auskuriert hatte. Seine Bilanz nach zwei Pflichtspielen lautet: Ein Tor beim 2:0 in Pfullendorf, ein Assist beim 3:2 gegen Oberhausen. Trainer Markus Babbel lobt: "Adrian präsentiert sich überhaupt nicht wie ein Spieler, der weg will."

Die Post vo Dienstag dürfte der Stimmung des Angreifers zusätzlich gut getan haben. Er hatte Bedenken, ob er als Zweitliga-Spieler nicht mehr für die Nationalmannschaft eingeladen würde. Nun gab es die endgültige Einladung des kolumbianischen Verbandes für die Länderspiele gegen Venezuela (3.9.) und Mexiko (7.9.). Und Ramos strahlte dementsprechend. Gibt sich so ein Mann, der gehen will? Kurz vor Trainingsende wartete er freistehend auf das Anspiel von Levan Kobiashvili. Doch der erzielte trotz Bedrängnis das Tor lieber selbst. Ramos half dem Georgier wieder auf die Beine: "Gut, Kobi." Kobiashvili: "Danke, Amigo."


Artikel erschienen am 10.10.2011
Uwe Bremer und Daniel Stolpe

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