Sie hatten sich erneut auf eine große Zitterpartie eingestellt, das Management und die Belegschaft des schwedischen Autobauers Saab. Doch just an dem Tag, an dem eigentlich ein Gericht darüber entscheiden sollte, ob das angeschlagene Unternehmen weiterhin Gläubigerschutz genießt und damit eine Frist im Überlebenskampf erhält, kam die erlösende Botschaft: Das lange erwartete Geld für die ehemalige GM-Tochter sei gesichert, teilte Saab mit.

Die chinesischen Unternehmen Youngman und Pang Da sind nicht nur bereit, in das schwedische Unternehmen zu investieren, nun wollen sie es komplett kaufen. "Wir haben darüber die ganze Woche verhandelt, Freitagmorgen konnten wir dann das Ergebnis bekannt geben", sagte ein Saab-Manager.

Damit könnte der Autohersteller gerettet sein - könnte. Denn noch gibt es keinen Abschluss, nur eine Absichtserklärung. Diese ist bis 15. November gültig. Bedingung für den Kauf ist es zudem, dass der unter Gläubigerschutz bereits begonnene Umbau fortgesetzt wird. Noch zwei Monate ist Saab vor den Forderungen der Gläubiger sicher. Kommenden Montag will Saab seinen Gläubigern die Verkaufspläne vorstellen.

Dann soll darüber diskutiert werden, wirklich stoppen können die Gläubiger das Geschäft mit den Chinesen aber nicht, heißt es am Sitz des Unternehmens im westschwedischen Trollhättan. Zu guter Letzt müssen einem Verkauf Saabs neben General Motors als Ex-Eigner und wichtigem Gläubiger die chinesischen und schwedischen Behörden sowie die Europäische Investitionsbank (EIB) ihre Zustimmung geben.

Saab hatte sich seit seinem Verkauf durch GM nicht erholt und war immer mehr in Turbulenzen geraten. Seit April stand die Produktion praktisch komplett, weil sich die Zulieferer weigerten ohne Bezahlung der Außenstände weiterhin Teile zur Verfügung zu stellen. Der Schuldenberg wuchs, Verhandlungen mit einem Immobilienfonds, mit dem Ziel, Fabrikgelände und Produktionshallen zu verkaufen und dann zurückzumieten, kamen nicht vom Fleck. Youngman und Pang Da, ein Automobilhersteller und eine Vertriebsorganisation in China, standen seit Wochen bereit, Saab Geld zuzuschießen.

245 Millionen Euro wollten die beiden Unternehmen in den Autobauer investieren. Nun schlucken sie ihn ganz. "Letztlich ging es den Chinesen auch darum, bei uns die Kontrolle zu erringen", heißt es aus Verhandlungskreisen. Das Ringen um den Verkauf muss heftig gewesen sein - die Chinesen wollten mit Saab ein Schnäppchen machen und sollen angeblich gerade mal 22 Millionen Euro für die Traditionsmarke und die Produktionsanlagen geboten haben. Ihnen war die Notsituation der Schweden klar.

Chancen für Verkauf stehen nicht schlecht

Nun sind sie offenbar bereit, 100 Millionen Euro für Saab zu bezahlen, das zumindest gab Victor Muller, Chef des niederländischen Sportwagenherstellers Spyker bekannt. Spyker hatte Saab Anfang 2010 für 400 Millionen Dollar von GM gekauft. Davon flossen allerdings nur 74 Millionen Dollar (rund 53 Millionen Euro) in bar, den Rest sollte GM als Vorzugsaktien erhalten. .

Die Chancen, dass Saab, Youngman und Pang Da die nötigen Genehmigungen für den Verkauf erhalten, stehen nicht schlecht. Die chinesischen Behörden hatten das Geschäft über Monate gebremst. Gerettet ist Saab damit aber noch längst nicht, der Kaufpreis wird nicht annähernd ausreichen, um die Verbindlichkeiten zu tilgen - und die steigen mit jedem Tag.

Zuletzt hatte das Unternehmen nicht einmal mehr die Gehälter zahlen können. Und wann die Produktion wieder anlaufen kann, Autos vom Band rollen und Erträge reinkommen, ist weiterhin unklar. "Nächste Woche wollen wir zunächst die ausstehenden Löhne auszahlen", sagte eine Sprecherin. "Wir arbeiten daran, den Verkauf mit Youngman und Pang Da endgültig über die Bühne zu bringen. Acht Wochen nach Abschluss wären wir soweit, dass die Bänder wieder anlaufen können."

Saab verliert wichtige Arbeitskräfte

Es wird ein schwieriger Neuanfang, Saab räumt ein, in den zurückliegenden Krisenmonate zunehmend wichtige Arbeitskräfte verloren zu haben. Zudem muss der Autobauer verlorene Zeit in der Entwicklung aufholen und an neuen Modellen arbeiten. All das ist teuer und würde selbst einen Autokonzern vor eine große Herausforderung stellen.

Nach Informationen von Morgenpost Online sollen die Chinesen aber bereit sein, mittelfristig rund 500 Millionen Euro in Saab zu investieren. Damit könnte der Autobauer zumindest in seiner Nische für Premiumfahrzeuge einen bescheidenen Neustart wagen.

Ob der gelingen kann, ist vor allem in Schweden umstritten. Die Gewerkschaften begrüßten einen Verkauf an die Chinesen ohne Einschränkung. Skeptisch äußerte sich dagegen unabhängige Beobachter wie der Insolvenzanwalt Rolf Åsbjörnsson gegenüber dem Wirtschaftsblatt "Dagens Industri": "Das ist alles nur eine Absichtserklärung. Und wenn ich es recht verstehe, ohne dass gleich Geld in die Kasse kommt."

Sein Gesamturteil: "Extrem dünn." Andererseits ist der größere der beiden schwedischen Automobilhersteller Volvo durch seinen Verkauf an die Chinesen gerettet worden. Volvo war im August 2010 vom US-Hersteller Ford für rund 1,2 Milliarden Euro an den chinesischen Autohersteller Geely weitergereicht worden und hat sich erholt.